Grußwort von Dr. Reiner Haseloff

Liebe Musikfreunde,

»Klänge statt Klingen. Musik im 30-jährigen Krieg« ist in diesem Jahr in Erinnerung an den 400. Jahrestag des Prager Fenstersturzes das Motto des Wittenberger Renaissance Musikfestivals. Kaum zu überschätzen sind die Folgen dieser ersten umfassenden Katastrophe Europas. Es war das Zeitalter, in dem sich Kunst, Kultur und Wissenschaft zu großer Höhe aufschwangen. Dennoch ereignete sich auch der Sturz der damaligen Welt in den tiefsten Abgrund. Die Art der Kriegführung, Verwüstungen und menschliche Not erreichten bis dahin ungekannte Ausmaße.

Ich muss an einen Satz aus der Tragödie »Antigone« des griechischen Dichters Sophokles denken, den wir meistens mit: »Gewaltig ist viel. Doch nichts gewaltiger als der Mensch« wiedergeben. Man kann ihn aber genauso zutreffend mit: »Furchtbar ist viel. Doch nichts ist furchtbarer als der Mensch« übersetzen. Und fürwahr weckte die Renaissance wieder das Interesse am ganzen Menschen. In uns stecken die großartige Möglichkeit zum Guten und die verhängnisvolle Verführbarkeit zum Bösen. Diese schicksalhafte Spannung beschäftigt ganz selbstverständlich die Musik. Sie vor dem Hintergrund jener historischen Ereignisse zu hören, inmitten derer sie entstand, ist zweifellos ein ganz besonderes Erlebnis.

Ich danke allen, die sich für die Ausrichtung dieses Musikfestivals nun bereits seit vielen Jahren engagieren. Sie schenken damit dem Kulturland Sachsen-Anhalt eine ganz besondere Facette. Die Konzerte, Kurse, der Tanzball und die Instrumentenausstellung verdienen das Interesse der breiten Öffentlichkeit, denn auch in der Gegenwart lohnt das Nachdenken darüber, wie die Verständigung der Menschen durch die Sprache der Musik uns allen zum Guten dienen kann.

Dr. Reiner Haseloff

Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt und Schirmherr des Wittenberger Renaissance Musikfestivals

Dr. Reiner Haseloff (c) Andreas Lander