So, 25.10.2020 | 17 Uhr | Altes Rathaus

»Tant que vivray«

Die Kraft der Lautenlieder


Emma Kirkby | Sopran
Jakob Lindberg | Laute

Eine Huldigung an die ersten Lautenvirtuosen der europäischen Renaissance! Schon in seiner Jugend weilte John Dowland eine Zeitlang in Frankreich, wo er beim englischen Botschafter des französischen Königs angestellt war. Hier muss er die von Pierre Attaignant gedruckte Lautenmusik und die bezaubernde Lieder von Claudin de Sermisy kennengelernt haben. Eines von ihnen, »Tant que vivray«, betitelt diesen Abend, der sich der Musik zwischen 1480 und 1560 verschrieben hat. Schon damals war die Lautenszene, was man heute gut vernetzt nennen würde: Italienische Instrumentalisten kamen nach Frankreich, französisch-flämische Stars wie Josquin des Pres beeinflussten die Szene in Italien. In Spanien überarbeitete der Virtuose Luys de Narvaez Josquins berühmtes Lied »Mille Regretz« für Laute, sein Kollege Alonso de Mudarra fügte wundervolle Lieder hinzu. Der Italiener Francesco da Milano, dessen Lautenspiel das Publikum nachhaltig bezauberte, nimmt im Programm einen angemessenen Stellenwert ein. Sein etwas älterer Kollege Vincenzo Capirola gab ein Buch mit Ricercari heraus, das bei Lautenspielern seiner wunderbaren Tierbilder wegen beliebt ist. Deutschland und England waren zwar vielleicht etwas langsamer in der Entwicklung der Lautentechnik, später jedoch wurden die Stücke von Hans Neusiedler und Silvius Leopold Weiss hoch geschätzt. In England wurden heitere Lieder vom Hofe von König Heinrich VIII. überliefert. Attraktive Lautenstücke des Flamen Philip van Wilder, der sich in London niedergelassen hatte, runden den Abend der – im besten Sinne – europäischen Raritäten mit zwei ausgesuchten Experten der Alten Musik ab.

Biografie | Emma Kirkby
Biografie | Jakob Lindberg

 

 

Emma Kirkby, Jakob Lindberg (c) Corinna Kroll