So, 25.10.2020 | 17 Uhr | Altes Rathaus

»Von der Welt Feierabend«

Musik aus der Mitte des 17. Jahrhunderts


Hofkapelle Schloss Seehaus

In der Mitte - geographisch in der Mitte Europas und zeitlich um die Mitte des 17. Jahrhunderts bewegt sich das Programm mit Musik um Mitteldeutschland. Ausgehend von Strozzi und Castello als Vertreter der italienischen Vorbilder bis nach Norden zu dem etwas späteren Lübecker Buxtehude weisend, zeigen sich verschiedene Perspektiven auf die typisch deutsche Kunst der Zeit: die Einflüsse und Neuerungen der Nachbarn zu einem eigenen Stil zu vermischen und auf die deutsche Sprache zu übertragen. Diese Art friedlicher kultureller Austausch wird jedoch überlagert von den prägenden Erfahrungen des 30jährigen Krieges. Das Erlebte spiegelt sich in
einer auffallenden Innigkeit und emotionalen Tiefe in der Musik, zum Beispiel bei der Beklagung des Zustandes "von der Welt Feierabend" wie es Hildebrand in seinen "Krieges-Angst-Seufftzern" vornimmt - Parallelen im vielschichtigen Ausdruck zu der das Liebesleid mit italienischer Dramatik besingenden Barbara Strozzi lassen sich durchaus ziehen: "doch wenn die Treue mir verwehrt, der flatterhafte, böse Schatz, so haltet ihr doch die Treue mir bis in den Tod, oh Tränen." Die Texte verhandeln das menschliche Erleben und den "state of the art" der Weltsicht "von der Welt Feierabend" zur (Gottes-)Zuversicht, dem grundmenschlichen Schmerz des Liebens bis zu gelöster Fröhlichkeit und vielfältiger Naturbetrachtung in den Psalmvertonungen bei Schütz und
Buxtehude.
Die Tonsprache im 17. Jahrhundert folgt diesen Inhalten entlang des Textes und entfaltet so einen klanglichen Blumenstrauß der keine Silbe und keine Sinnhaftigkeit unbedeutend vernachlässigt. Selbst wenn der Text und die menschliche Stimme scheinbar verschwunden sind (wie in der Instrumentalmusik bei Castello und Rosenmüller), so wird sogar dort in jeder Sekunde des Fortschreitens sinnlich erfahrbar eine Geschichte erzählt. Die Kompositionen sind in Musik gegossene Emotionen, stellen die Fragen und suchen die Lösungen des menschlichen Daseins - wieder und wieder, gleichsam zeitlos und aktuell, dem pandemie-erfahrenen Menschen der
Gegenwart erstrecht vertraut. Man könnte meinen es bliebe bei niederdrückenden, schmerzhaften oder zweifelnden Antworten und wird durch die vertretenen Kompositionen von Schütz und Buxtehude deutlich anders belehrt, sie sind im Kontrast zu dem bisher hier aufgezeigten Horizont in erstaunlicher Frische und Lebendigkeit ausbalanciert und entlassen uns voller Wärme in die weitere Zeit.

Hofkapelle Schloss Seehaus

Die "Hofkapelle Schloss Seehaus" ist entstanden aus einem Kern befreundeter Musiker und zu einem vielfältigen Ensemble gewachsen, das sich mit Leidenschaft der Aufführung der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts auf historischen Instrumenten widmet. Bereits nach kurzer Zeit wurde ihre
Spielfreude und die hohe Qualität der Programme mit dem Stipendium des Deutschen Musikwettbewerbs ausgezeichnet und das Ensemble in die 54. Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler aufgenommen. Von diesem vokal-instrumentalen Nukleus ausgehend intensivierte sich die Zusammenarbeit, und in unterschiedlichsten Formationen erlebten mehr und mehr Projekte das Licht der Welt, von kleiner besetzter Kammermusik bis hin zu Opernproduktionen und kirchenmusikalischen Neuentdeckungen, zu Gast bei Festivals und für CD- und Rundfunkaufnahmen. Mit Musiker-Gästen aus ganz Europa erweitert sich das Ensemble passgenau für jedes Projekt und zeichnet einer der Musiker sich für die Federführung verantwortlich. Die "alte" Musik immer wieder sowohl fachkundig, als auch menschlich umsichtig neu zu entdecken, auf die Gegenwart zu beziehen und im Hier und Jetzt in ihrer vielfältigen Lebendigkeit und Unmittelbarkeit erklingen zu lassen und so als Kunstform sich dem Publikum mitzuteilen, Menschen zu erreichen und möglichst zu bewegen ist dabei die Triebfeder die alle Beteiligten eint. Der Name des Ensembles bezieht sich auf ein ehemaliges Wasserschloss der Fürsten zu
Schwarzenberg, gelegen an den Ausläufern des Steigerwaldes in Mittelfranken wo das Ensemble mit Proben und Konzerten seinen Ursprung hatte.
Das Programm des Konzertes zum diesjährigen Wittenberger Renaissance Musikfestival hatte sein Debut 2019 beim Musikfest Bremen in der gleichen Besetzung: Es singt die Australierin Carly Power, Julia Krikkay und Luis Pinzón spielen die Barockviolinen unter der Leitung des
Gründungsmitglieds Torsten Übelhör an der Orgel.

Tickets: 25,00 € | Ermäßigt: 20,00 €

Ticket-Hotline: +49 (0)3491.419260
Online-Tickets können Sie hier erwerben.

Hofkapelle Schloss Seehaus