Klatsch, Klerus und Kloaken
Ein musikalisch-literarisches Panorama aus Italien um 1450 | Ensemble Semperviva
Mo, 19.09.2022 - 19:00 Uhr

Der Abend verbindet auf einzigartige Weise die Musik und die Literatur der italienischen Renaissance. Worte und Klänge finden in vielfältiger Art und Weise zueinander und zeichnen das facettenreiche Bild einer Epoche, die feinsinnig und wild, erfindungs- und kontrastreich war wie kaum eine andere. Die Musik beleuchtet Ort, Zeit und gesellschaftlichen Kontexte, die auch in den Texten im Vordergrund stehen. Volkstümliche geistliche Lobgesänge, komplizierte Ornamentik aus dem Codex Faenza, einem Musikmanuskript des 15. Jahrhunderts, rhythmisch vertrackt vertonte Liebeslyrik und einfache Volksmelodien ergänzen das Bild.

Die Texte stammen aus dem Buch »Welt der Renaissance« von Tobias Roth und reichen von den grandiosen Liebesgedichten Petrarcas bis zur erotischen Lyrik von Kardinälen und Staatsoberhäuptern, von Spekulationen über den Seeweg nach Osten bis zu Thesen über weiße Magie, über die Würde des Menschen und die Gleichwertigkeit von Mann und Frau. Auch Einblicke in das Alltagsleben eines Kaufmanns, in die Heiratspläne einer Mutter oder in das Festmahl zur Inauguration eines Papstes sind im Band enthalten.

In der Musikauswahl werden Ort und Zeitpunkt der Entstehung der Texte so genau berücksichtigt, dass man sicher sein kann, dass der Autor genau diese Musik auch bereits kannte. Zusammen mit den allzu menschlichen, zeitlosen Problemen und Nöten, wie sie sich in den Texten wiederfinden, taucht das Publikum ein in das Italien der Renaissance.

Ticketpreis 25 Euro/ermäßigt 20 Euro
Semperviva

Isabelle Rejall – Mezzosopran, Rezitation
Catalina Vicens – Organetto, Cembalo, Percussion
Meike Herzig – Blockflöten
Tobias Roth – Texte, Rezitation

Die junge deutsche Mezzosopranistin Isabelle Rejall etabliert sich im nationalen und internationalen Raum. So ging sie in den vergangenen Jahren mit dem Freiburger Barockorchester auf Tournee, musizierte mit der Kammerakademie Potsdam, mit Anima Eterna Brugge und dem Collegium Vocale Gent. Isabelle Rejall sang in mehreren Produktionen der Staatsoper Unter den Linden Berlin sowie am Theater Aachen, an der Oper Halle, am Staatstheater Darmstadt und beim Tongyeong International Music Festival in Südkorea. Ausgehend von Werken Claudio Monteverdis, reicht ihr Repertoire bis hin zu Kompositionen des 21. Jahrhunderts. So sang sie 2014 in der Philharmonie Berlin in der Uraufführung von Helmut Zapfs »Das Glück« und war im Sommer 2018 bei den Festwochen der Alten Musik Innsbruck zu erleben. Isabelle Rejall studierte nach Abschluss einer kaufmännischen Ausbildung in Berlin und Florenz. Ihren Abschluss erreichte sie 2014 an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin.

Catalina Vicens wird von der internationalen Presse als eine der interessantesten Musikerinnen im Bereich der Alten Musik anerkannt. Dank ihrer Dynamik, ihrer Herangehensweise an das Spiel mit historische Instrumenten und ihrer musikwissenschaftlichen Forschung ist sie heute eine der vielseitigsten und gefragtesten Interpretinnen alter Tasteninstrumente und eine der prominentesten Dozentinnen ihrer Generation. Aufgrund ihrer Spezialisierung auf Originalinstrumente vom 15. bis zum frühen 19. Jahrhundert wurde sie eingeladen, Instrumente aus zahlreichen renommierten Sammlungen im Vereinigten Königreich, in Europa, Japan und den Vereinigten Staaten zu spielen. Derzeit ist sie künstlerische Leiterin und Kuratorin des Museo San Colombano in Bologna, und Gastprofessorin für Cembalo und Forschungsstipendiatin am Königlichen Konservatorium in Brüssel. Sie war Gastprofessorin für Cembalo am Oberlin Conservatory in den USA und gibt Meisterkurse an den wichtigsten Konservatorien und Sammlungen in den USA, Chile, Großbritannien, Deutschland und Schweden. 2013 gründete sie das Ensemble Servir Antico, mit dem sie das weniger bekannte Repertoire und das intellektuelle Erbe der humanistischen Epoche beleuchtet.

Meike Herzig bildete sich nach ihren Blockflötenstudien weiter. Besonders Epochen und Stilistiken, die im Studium üblicherweise nicht vorkommen, interessierten sie: die Musik des Mittelalters, Folk, improvisierte Musik und Jazz. Die Erfahrung mit diesen verschiedenen Genres prägt ihren Stil – spannungsreich, rhythmisch pointiert und klanglich differenziert. Sie spielt Flötenkopien des Mittelalters, deren perkussiver Klang ihren Stil einmalig machen. Auftritte etwa beim Festival für Alte Musik Herne, beim Jazzfestival Moers, beim Festival der European Broadcasting Union oder als erste Preisträgerin beim Wettbewerb Creole zeigen die Breite ihres künstlerischen Schaffens. Konzertreisen führten sie nach Frankreich, Italien, Kanada, Ungarn, Polen und in die Schweiz. Meike Herzig spielt in den Ensembles Bois de Cologne und sYn.de und mit Künstlern wie Dorothee Oberlinger, Carlo Rizzo, Michel Godard, Albrecht Maurer, mit Mitgliedern von Concerto Köln und Sequentia, mit dem Hilliard Ensemble sowie als Gast bei den Oni Wytars.

Tobias Roth wurde 1985 in München geboren, wo er auch lebt. Seit seinem Debüt mit dem Gedichtband »Aus Waben«, erschienen im Verlagshaus Berlin 2013, veröffentlichte Roth als Autor, Übersetzer und Herausgeber mehr als zwei Dutzend Bücher. 2017 wurde er an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Arbeit zur Lyrik der Renaissance promoviert. Der von Roth ausgewählte, übersetzte und mit Erläuterungen versehene Foliant »Welt der Renaissance» aus dem Galiani Verlag Berlin 2020 stand auf der Spiegel-Bestsellerliste und der Schweizer Bestsellerliste. Für die Übersetzung wurde Roth mit einem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet und ist somit der erste Künstler, der den Bayerischen Kunstförderpreis zweimal erhalten hat. Tobias Roth ist Gründungsgesellschafter des Verlages »Das Kulturelle Gedächtnis« und Herausgeber der Grünen Reihe im Sukultur Verlag.

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