Melanchthon und die Pest
Musikalische Lesung mit Stefan Rhein
Do, 28.10.2021 - 19:00 Uhr

Die Pest war im 16. Jahrhundert allgegenwärtig. Zwölf Mal wurde Wittenberg in dieser Zeit von Seuchen heimgesucht. Auch im Leben Philipp Melanchthons »spielten« sie eine große Rolle: Kollegen starben, Freunde erkrankten. Auf der Flucht vor der Pest musste er zusammen mit der Universität 1527, 1535 und 1552 Wittenberg verlassen, er beschäftigte sich mit Pestrezepten. Menschen, die die medizinischen Ratschläge nicht befolgen wollten, hielt er für »Totschläger ihres eigenen Körpers«. Es ging um Abstand, um Hygiene, um das Vermeiden »verpesteter« Luft, um Diätratschläge etc. Die Pest in Wittenberg: ein fernes und zugleich sehr nahes Thema!

Dr. Stefan Rhein, Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, liest aus Briefen und Schriften und stellt einen bislang unbekannten Melanchthon vor.

Von der Meisterschaft des Komponisten Michael Praetorius erzählt der musikalische Part des Abends, der die emotionale Seite im Umgang mit der Seuche beleuchtet: Die Sopranistin Julla von Landsberg, Gesine Friedrich an der Renaissancegambe und der Lautenist Thomas Höhne haben einer Sammlung von Praetorius dreistimmige Sätze entnommen, die sich zum Teil auf Choräle der Lutherzeit beziehen: »Aus tiefer Not schrei ich zu Dir« beispielsweise ist dem 130. Psalm entnommen, Text und Melodie schuf Martin Luther 1524. »Wenn wir in höchsten Nöten sein« geht auf Worte von Paul Eber aus dem Jahr 1566 zurück, die Wittenberger Weise auf das Jahr 1567. In diesen Bearbeitungen verbindet Praetorius die Techniken der klassischen Tricinien-Tradition mit denen der Motette, des Madrigals und des Konzerts und entwickelte damit die Gattung der Choralbearbeitung wesentlich weiter.

Ticketpreis 15 Euro/ermäßigt 12 Euro

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