Terpsichore: Muse des Tanzes
Michael Praetorius´ vergessene Sammlung | Wittenberger Hofkapelle
Sa, 30.10.2021 - 15:00 Uhr

Eine abenteuerliche Geschichte hat diese Tanzsammlung von Michael Praetorius. 1612 in Wolfenbüttel herausgegeben, enthält »Terpsichore« mehr als 300 zumeist französische Tänze und gilt als wertvolle Quelle des französischen Tanzrepertoires zu Beginn des 17. Jahrhunderts – das aber erst seit rund 60 Jahren. Denn ins öffentliche Bewusstsein rückte das zeit- und musikwissenschaftlich hochinteressante Dokument erst durch die moderne Tonträgerindustrie: Als der Cembalist und Pianist Fritz Neumeyer 1960 eine Reihe von Stücken aus der Sammlung auf einer Schallplatte veröffentlichte, erkannte die Musikwelt diesen Schatz. Die Sammlung ist Praetorius´ damaligem Dienstherren gewidmet, dem Herzog Friedrich Ulrich zu Braunschweig und Lüneburg, und geht auf dessen Tanzmeister Antoine Emeraud zurück. Ach ja: Ihren Titel verdankt »Terpsichore« der griechischen Mythologie: Dort ist Terpsichore, Tochter des Zeus und der Mnemosyne, die Muse der Chorlyrik und des Tanzes. Betont wird der Name übrigens auf dem »i«. Abgebildet wird Terpsichore als Nymphe in leichtem Gewand, und die Legende besagt, dass sie ihre Liebhaber mit Verführungen vergnügte, die von der Gelehrsamkeit herkommen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte...

Ticketpreis 20 Euro/ermäßigt 15 Euro
Wittenberger Hofkapelle

Seit 2006 richtet die Wittenberger Hofkapelle das jährliche Wittenberger Renaissance Musikfestival aus. Der Lautenist Thomas Höhne und die Gambistin Gesine Friedrich gründeten das Ensemble 2002 mit dem Ziel, die Musiktraditionen des 15. bis 17. Jahrhunderts zu pflegen. Ganz dem Bestreben verpflichtet, das Repertoire der Wittenberger Hofkapelle des sächsischen Kurfürsten Friedrich des Weisen (1463 bis 1525) wiederzubeleben, greifen die Musikerinnen und Musiker auf die handschriftlich fixierten Notationen der einstigen Wittenberger Hofkapelle zurück, die in der Thüringer Landes- und Universitätsbibliothek aufbewahrt werden. Diese Noten geben einen detaillierten Einblick in die vorreformatorische Musik bis zur Wirkungszeit Martin Luthers. Auch die Wittenberger Drucke und musiktheoretische Abhandlungen von Martin Agricola (1529) und Hermann Finck (1566) dienen dem Ensemble bei der Annäherung an einen möglichst authentischen Klang. Darüber hinaus führt die Hofkapelle, die sich seit ihrer Gründung als wandelbarer und flexibler Klangkörper behauptet, auch Werke frühbarocker Meister wie Heinrich Schütz und Claudio Monteverdi auf und tritt mit szenischen Projekten in Erscheinung. Zum 500. Reformationsjubiläum 2017 erschien die CD »Ein feste Burg ist unser Gott« mit geistlichen Liedern der Reformationszeit. 

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