Von Herz zu Herz
Chansons und Überraschungen aus dem 15. Jahrhundert | Trio Petrucci
Fr, 28.10.2022 - 19:00 Uhr

Venedig wird im Jahr 1501 Schauplatz eines revolutionären und zugleich retrospektiven Aktes: Einige Jahrzehnte nach der Erfindung des Buchdrucks gelingt es Ottaviano Petrucci, ein Verfahren für den Druck mehrstimmiger Musik zu entwickeln. Er gibt die erste gedruckte Musiksammlung heraus: Die »Harmonice Musices Odhecaton«, bestehend aus 100 polyphonen Titeln – drei- und vierstimmige Stücke, darunter die beliebtesten Lieder aus ganz Europa, quasi die Hits der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Auch kompositionstechnisch wählte Petrucci dem Zeitgeist entsprechende Musik aus: Um 1500 war es schick, auf bekannten Liedern basierend zahlreiche – bisweilen bis zu 50! –Versionen desselben Stücks zu komponieren oder zu improvisieren. In der Kombination aus Stimme, Blockflöten und Renaissancegambe präsentiert das Trio Petrucci die Rafinesse, die Komplexität und den Witz dieses Repertoires und bindet auch eigene Versionen und instrumentale Tänze in das Programm ein. In der Musik von damals und heute sind Liebe und Sehnsucht zentrale Themen. Kein Wunder, dass sich schon Komponisten wie Hayne van Ghizeghem, Gilles Binchois, Alexander Agricola, Loyset Compère von den entsprechenden Versen angezogen fühlten! Ihre Vertonungen lassen das Publikum glatt vergessen, dass seit der Entstehung dieser Musik mehr als 500 Jahre vergangen sind…

Konzeption und Recherche für dieses Programm wurden durch ein Stipendium des Senators für Kultur der Freien Hansestadt Bremen ermöglicht.

Ticketpreis 20 Euro/ermäßigt 17 Euro
Laura Dümpelmann

Laura Dümpelmann musiziert auf Blockflöten und frühen Doppelrohrblattinstrumenten. Seit Langem ist sie von der Architektur zwischen Romanik und Renaissance und musikalisch besonders von der Polyphonie des 15. und 16. Jahrhunderts fasziniert. Sie arbeitet kreativ an der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis, experimentiert mit Farben, Chansonniers, Bewegungen, Sprache und Renaissance-Kontrapunkt in ihren beiden Ensembles, dem Blockflötenconsort sféra und einem Blasinstrumentenensemble für Renaissancemusik, der Hanse Pfeyfferey. Laura Dümpelmann studierte an den Musikhochschulen und -universitäten in Versailles, Weimar und Graz und wurde von Pierre Boragno, Myriam Eichberger, Martin Erhardt, Andreas Böhlen und Amy Power unterrichtet.

Dávid Budai

Dávid Budai, geboren in Ungarn, widmet sich dem Zusammenführen von Forschung und Praxis in der Spieltechnik der Viola da Gamba. Mit Hille Perl und Marianne Muller entwickelte er das polyphone Spiel als improvisativen Begleitungsstil und solistische Arrangementprinzipien weiter. Sein Schwerpunkt liegt auf dem englischen Repertoire und auf der Kunst des improvisierten Kontrapunkts im 16. und 17. Jahrhundert. Im Rahmen seiner umfangreichen Konzerttätigkeit in Europa und darüber hinaus ist er in unterschiedlichen Aufführungsformaten zu erleben. Dávid Budai ist Mitgründer des Ensembles Prisma und des Geigenconsorts Bremen. Als Gast spielt er regelmäßig auch bei Musica Cubicularis und der Hanse Pfeyfferey.

Shirley Radig

Die Sopranistin Shirley Radig wuchs in Karlsruhe auf. Sie studierte zunächst Heilpädagogik in Magdeburg und danach Gesang und Gesangspädagogik bei Lothar Hennig und Monika Meier-Schmid in Magdeburg. Seit ihrer Schulzeit sang sie in Chören und kleineren Ensembles und begeisterte sich zunehmend für die Musik der Renaissance und des Barock. Durch ein Ergänzungsstudium für historischen Gesang an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig und in zahlreichen Kursen bei Rebecca Stewart und mit dem Ensemble Nusmido vertiefte sie ihre Kenntnisse im Barock- und Renaissancegesang und in modaler Interpretation.

Trio Petrucci

Das Trio Petrucci wurde Anfang 2021 mit der Absicht gegründet, das Chansonrepertoire aus dem späten 15. Jahrhundert in einem klanglich exzellenten Ensemble mit Gesang, Renaissancegambe und -blockflöten zu erforschen und zu präsentieren. Seither entdecken die Sängerin Shirley Radig, Flötistin Laura Dümpelmann und Dávid Budai an den Gamben neue oder vergessene Zusammenhänge zwischen Melodie, Text und Form und beschäftigen sich intensiv mit dem Wienhäuser Liederbuch, der ältesten erhaltenen Sammlung von Melodien in plattdeutscher Sprache. Die Papierhandschrift enthält 59 Lieder und wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts im Zisterzienserinnenkloster Wienhausen zusammengestellt. Erst 1932 fand man sie im Klosterarchiv wieder. Im Repertoire des Trios Petrucci sind zwei zeitlose Themen zentral: die Liebe und Maria. Mit diesem Hintergrund tritt das Ensemble vorwiegend in geistlichen Räumen und bei Hauskonzerten in persönlicher Atmosphäre auf.

nach oben