Thomas Höhne

Künstlerischer Leiter des Wittenberger Renaissance Musikfestivals

Liebe Musikfreunde,

liebe Wittenbergerinnen und Wittenberger,

liebe Besucherinnen und Besucher,

erleben Sie unser Wittenberger Renaissance Musikfestival erstmals in spätsommerlichem Flair! Um Ihnen, unseren treuen Festivalgästen, und so vielen Besucherinnen und Besuchern wie möglich die Gelegenheit zur Teilnahme zu geben, finden unsere Veranstaltungen in diesem Jahr ein paar Wochen früher als gewohnt statt: Vom 16. bis 25. September 2022 bieten wir an Wittenbergs attraktivsten historischen Orten wieder Konzerte mit renommierten Gästen, die beliebten Kurse für Tanz, Instrumental- und Vokalmusik, den Historischen Tanzball und unsere Instrumentenausstellung, dazu den musikalischen Stadtspaziergang, Lesungen und, sogar, eine Barockoper als Open-Air-Theater! Die bezaubernde Produktion von Giovanni Battista Pergolesis »Il Ciarlatano« mit dem Grazer Barockensemble Ārt House 17 bringt Elemente des Straßentheaters und der Commedia dell´arte zusammen. Und: »Der Scharlatan« ist eines jener »Mythen und Märchen«, mit denen wir Sie im Rahmen unserer mittlerweile 17. Festivalauflage unterhalten, anregen und inspirieren möchten. »Mythen und Märchen« stehen für das Menschsein an sich, für die Sprache als eine der ältesten Kulturtechniken und für die Fähigkeit zu spielen. »Mythen und Märchen« vermitteln moralische Grundwerte, sie helfen uns, Ängste zu bannen, das Unerklärliche zu akzeptieren – und Veränderungen zu wagen. Die Kinder in der westlichen Welt wachsen mit den Märchen von Charles Perrault, Wilhelm Hauff und Hans Christian Anderson auf, und die Märchensammlung der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm ist der Unesco zufolge das »bekannteste und weltweit am meisten verbreitete Werk der deutschen Sprache« – neben der Lutherbibel!

Trotz des früheren Festivalstarts können Sie sich auf eine neue Ausgabe der beliebten »Nacht davor« freuen: Am Abend vor dem Reformationstag begeben wir uns gemeinsam mit den Schauspielerinnen Silke Wallstein und Barbara Fressner ins Jahr 1524 und lauschen einem »Ballgeflüster« zwischen Barbara Cranach und Katharina von Bora – ein vertrauliches Geplänkel vor dem Hintergrund künftiger Weltgeschichte, grundiert von der Musik der Zeit.

Neben ihren »Mythen und Märchen« braucht die Welt vor allem: Frieden. Das Festkonzert, das wir am 29. Oktober in der Schlosskirche dem 350. Todestag von Heinrich Schütz widmen, trägt deshalb den Titel »Verleih uns Frieden gnädiglich«. Der als »Vater der deutschen Musik« gerühmte Schütz veröffentlichte die gleichnamige Motette auf einen Text von Martin Luther im Jahr 1648, zum Ende des 30-jährigen Krieges. Ein auskomponiertes Friedensgebet – und heute von ebenso eindringlicher Aktualität wie damals.

Ihr Thomas Höhne

Künstlerischer Leiter des Wittenberger Renaissance Musikfestivals

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