Liebe Musikfreunde,
liebe Wittenbergerinnen und Wittenberger,
liebe Besucherinnen und Besucher,
Tanzen macht glücklich! Beides – das Glück und das Tanzen – wollen wir in diesem Jahr auch musikalisch nach Wittenberg einladen. Unser Festivaltitel »Renaissance küsst Tango« deutet es schon an: Wir öffnen Räume für Begegnungen. Wir probieren aus, was passiert, wenn wir Grenzen einmal nicht so ernst nehmen, wenn wir Genres und Stile mischen, Kulturen aufeinandertreffen lassen und neugierig sind, was geschieht.
In den unterschiedlichsten Musikstilen lassen sich immer auch Gemeinsamkeiten entdecken. Man muss sie nur finden wollen. Darum geht es uns: Offen sein, reagieren, in Austausch treten – musikalisch und menschlich, vor allem aber friedlich. Die Renaissance-Musik ist voll von Ideen, Mustern und Emotionen, die wir auch heute noch kennen. Manche Schemen finden sich überall wieder – sogar in der Popmusik. Wenn wir die Tänze der Renaissance auf unseren heutigen Instrumenten spielen, wenn wir ihnen einen anderen Puls geben, beginnen sie neu zu schwingen. Dann entsteht eine Energie, die wir so nicht erwartet hätten. Und wir spüren, dass zum Beispiel eine Follia gar nicht so weit entfernt vom Tango ist. Dass eine Passacaglia eine Dynamik entwickeln kann, die uns ins Hier und Jetzt holt. Und es geschieht noch etwas, das ganz einfach scheint: Wir wollen uns bewegen. Tanzen. Weil es uns gut tut. Weil es uns glücklich macht.
Diese Lebendigkeit verbinden wir im Programm des 21. Wittenberger Renaissance Musikfestivals mit zwei großen Namen der Geschichte: John Dowland gehört zu den wenigen alten Meistern, dessen Musik uns heute noch geläufig ist. Durch ihn blühte um 1600 das Elisabethanische Lautenlied in England auf. Die Musikwelt 2026 feiert in diesem Jahr den 400. Todestag des englischen Komponisten. Und: Der Todestag Paul Gerhardts jährte sich am 27. Mai 2026 zum 350. Mal. Die Texte des bedeutendsten protestantischen Liederdichters nach Martin Luther sind uns nah. Wer kennt nicht das Lied »Geh aus, mein Herz, und suche Freud«? Mit ihrem sensiblen, individuellen Ton sprechen uns beide Meister – der Musiker wie der Dichter – aus der Seele. Bei allem Schmerz, den sie ausdrücken, erzählen uns Melodien und Zeilen wie diese doch auch von der Schönheit des Lebens und machen uns bewusst, wie inspirierend Musik auf uns wirkt.
Ich lade Sie ein, den Alltag für eine Weile loszulassen, sich treiben zu lassen und mit uns zu entdecken, wie viel Energie und neue Lebensfreude die alten Klänge in uns wecken.
Ihr Thomas Höhne
Intendant des Wittenberger Renaissance Musikfestivals