Konzerte

Saitenzauber
Musikalische Zeitreise von Renaissance bis Pop | Gesine Friedrich – Harfe, Gamben | Thomas Höhne – Lauten, Gitarre
Sa, 27.08.2022 | 17:00 Uhr | Cranachhof

Der Titel dieses Nachmittags ist Programm! Thomas Höhne, künstlerischer Leiter des Wittenberger Renaissance Musikfestivals, und seine Mitstreiterin Gesine Friedrich packen ihre mit sehr alten, alten und neueren Zupf- und Streichinstrumenten prallgefüllte Zaubertruhe aus und laden ein zu einer musikalischen Zeitreise durch die Jahrhunderte. Die Stationen reichen von der Renaissance- über die Barockzeit bis hin zum Flamenco – und dank der umfangreichen Sammelleidenschaft der beiden Musiker für historische Instrumente ist für jedes Reiseziel auch das passende Spielgerät griffbereit. Zwei Musizierende, etliche Instrumente, viele Stile: An Abwechslung wird es in diesem Programm nicht mangeln. Ob Harfe oder Gambe, Renaissancelaute und -gitarre, ob Vihuela, die spanische Kastenhalslaute des 16. Jahrhunderts, ob Barockgitarre, spanische oder romantische Gitarre von Louis Panormo – hier bietet sich die perfekte Gelegenheit für den direkten Vergleich in Gestalt, Spielweise und Klang.

In te, Domine, speravi – Dir, o Herr, gilt all mein Hoffen
Alte Musik für junge Leute | Ensemble La Sprezzatura der Musikschule Leipzig »Johann Sebastian Bach«
Sa, 03.09.2022 | 19:00 Uhr | Schlosskirche

Als Heinrich Schütz 1629 von seiner zweiten Venedigreise die fertig gedruckten »Symphoniae sacrae I« mitbringt, herrscht seit elf Jahren Krieg in Europa. Dass dieser 30-jährige Krieg bis 1648 andauern würde, konnte Schütz zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen – und ebenso wenig, dass das Nachfolgewerk, die 27 Konzerte der »Symphoniae sacrae II«, ein Meilenstein in der Entwicklung deutschsprachiger geistlicher Vokalmusik mit Instrumentalbegleitung und Basso continuo werden würde. Das dritte Geistliche Konzert der »Symphoniae sacrae I«, dem Kronprinzen Johann Georg II. von Sachsen gewidmet und mit dem lateinischen Titel »In te, Domine, speravi« versehen, gibt diesem Prèlude-Konzert den Titel: »Dir, o Herr, gilt all mein Hoffen«.

Das junge Ensemble La Sprezzatura, das sich in Vorbereitung auf den Wettbewerb »Jugend musiziert« 2021 in Leipzig formierte, ergänzt das Werk mit seinem Wettbewerbsprogramm und solistischen Vorträgen von Kompositionen aus dem Mittelalter, der Renaissance- und der Barockzeit. Der Einsatz von mehreren Blas-, Streich- und Tasteninstrumenten in Kombination mit der menschlichen Stimme sorgt für einen abwechslungsreichen und stimmungsvollen musikalischen Spätsommerabend in der Wittenberger Schlosskirche.

Jugend überrascht!
Alte Musik, frisch aus dem Hut gezaubert | Praetorius Consort Wittenberg | Renaissance Ensemble Süssato der Kreismusikschule Teltow-Fläming
Sa, 10.09.2022 | 19:00 Uhr | Schlosskirche

Einer der großen Spontanerfolge des Wittenberger Renaissance Musikfestivals entstand aus der engagierten Zusammenarbeit zweier Jugendensembles unter denkbar schwierigen Vorzeichen. Vom Abschlusskonzert des Festivalsjahrgangs 2020 in der Wittenberger Schlosskirche, gestaltet vom Praetorius Consort Wittenberg und dem Renaissance Ensemble Süssato, spricht das Publikum noch heute voller Begeisterung! Das Geheimrezept: Das Renaissance Ensemble Süssato der Kreismusikschule Teltow-Fläming reist mit Blockflöten, Krummhörnern und Dudelsäcken an, dazu gesellen sich Harfen, Lauten, Gamben und Hümmelchen. Allen Renaissancestücken, ob Tanzsuiten von Tilman Susato und Michael Praetorius oder Lamento von Claudio Monteverdi, ob Folksong aus John Playfords »Dancing Master« oder Largo von Georg Friedrich Händel, verpasst Süssato-Chef Vladimir Ivachkovets als Komponist und Arrangeur eine verjüngende Schönheitskur.

Das Programm dieser neuerlichen Zusammenarbeit wird erst kurz vor dem Auftritt feststehen. Aber schon proben die Mitwirkenden eifrig an einem Passamezzo antico, dem gemeinsamen Schlussstück. Und alle Beteiligten sind entschlossen, auch in diesem Jahr einen abwechslungsreichen, schwungvollen Konzertabend zu gestalten!

Der Scharlatan – Il Ciarlatano
Barockoper von Giovanni Battista Pergolesi | Grazer Barockensemble Ārt House 17
Fr, 16.09.2022 | 19:00 Uhr | Hof Stadthaus

Ein heiteres Meisterwerk des Barock! Als der berühmte italienische Opernkomponist Giovanni Battista Pergolesi am 25. Oktober 1734 im Teatro San Bartolomeo in Neapel seine große Oper »Adriano in Siria« zur Uraufführung brachte, war das ernste Stück ein rechter Misserfolg. Allerdings hatte der Komponist, so wie es damals Tradition war, für die Pausen der Aufführung eine weitere, kleine lustige Oper geschrieben – ein Intermezzo, ein Zwischenspiel. Und genau das wurde zum Triumph! Alle Welt redete nur noch von »Der listigen Bäuerin« und nicht von der großen Oper drum herum. Quer durch Europa reisten die Opernkompagnien mit dem Meisterwerk, das immer neue Titel bekam und sich schlussendlich als »Il Ciarlatano« behauptete: »Der Scharlatan«.

Kein Wunder, denn Pergolesi gelang etwas ganz Besonderes. Auf der Opernbühne tummelten sich plötzlich nicht mehr Helden und Heroen, all die Figuren aus den antiken Sagen und der Weltgeschichte, sondern einfache Leute, über die man sich bisher trefflich lustig gemacht hatte. Aber hier: Livietta, das Mädchen vom Lande in der Hauptrolle, ist sympathisch, klug und geschickt. Ihr gelingt es, den gerissenen Gauner Tracollo dingfest zu machen. Dass sich beide schließlich verlieben und zueinanderfinden, ist die letzte, herrliche Pointe der kleinen Oper... Pergolesi verband in »Il Ciarlatano« hohe Kunst mit Spaß, Hintersinn und bester Unterhaltung. Die bezaubernde Produktion bringt dazu Elemente des Straßentheaters und der Commedia dell ́arte, und schon rückt die kleine Barockoper ganz nah zum heutigen Publikum!

Bei schlechtem Wetter wird die Aufführung ins Stadthaus verlegt.

Musikalischer Stadtspaziergang
Konzerte an historischen Orten | Praetorius Consort Wittenberg | Wittenberger Hofkapelle & Gäste
Sa, 17.09.2022 | 15:00 Uhr | Schlosskirche

Wittenberg zu historischen Klängen entdecken! Auch das 17. Wittenberger Renaissance Musikfestival lädt zu einem musikalischen Streifzug an die Originalschauplätze der Reformation ein und bietet außergewöhnliche Hörerlebnisse an repräsentativen Orten. Im Anschluss an eine kurze Eröffnungsmusik in der Wittenberger Schlosskirche können Interessierte am musikalischen Stadtspaziergang teilnehmen. An geschichtlich markanten Stationen erklingen eindrucksvolle historische Instrumente, darunter Dudelsack, Dulzian und Krummhorn. Begleitet werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von erfahrenen Stadtführern und von Klangexperten wie dem Praetorius Consort Wittenberg, der Wittenberger Hofkapelle und ihren Gästen. Sie alle lassen ein unvergessliches Klangpanorama aus längst vergangenen Zeiten entstehen.

Da die Kapazität begrenzt ist, empfiehlt es sich, rechtzeitig Karten zu bestellen. Und ein wenig Zeit sollte man mitbringen: Zweieinhalb bis drei Stunden kann ein Spaziergang in der Lutherstadt angesichts der Vielzahl ihrer historischen Schauplätze schon dauern!

 

 

 

Der Scharlatan – Il Ciarlatano
Barockoper von Giovanni Battista Pergolesi | Grazer Barockensemble Ārt House 17
Sa, 17.09.2022 | 19:00 Uhr | Hof Stadthaus

Ein heiteres Meisterwerk des Barock! Als der berühmte italienische Opernkomponist Giovanni Battista Pergolesi am 25. Oktober 1734 im Teatro San Bartolomeo in Neapel seine große Oper »Adriano in Siria« zur Uraufführung brachte, war das ernste Stück ein rechter Misserfolg. Allerdings hatte der Komponist, so wie es damals Tradition war, für die Pausen der Aufführung eine weitere, kleine lustige Oper geschrieben – ein Intermezzo, ein Zwischenspiel. Und genau das wurde zum Triumph! Alle Welt redete nur noch von »Der listigen Bäuerin« und nicht von der großen Oper drum herum. Quer durch Europa reisten die Opernkompagnien mit dem Meisterwerk, das immer neue Titel bekam und sich schlussendlich als »Il Ciarlatano« behauptete: »Der Scharlatan«.

Kein Wunder, denn Pergolesi gelang etwas ganz Besonderes. Auf der Opernbühne tummelten sich plötzlich nicht mehr Helden und Heroen, all die Figuren aus den antiken Sagen und der Weltgeschichte, sondern einfache Leute, über die man sich bisher trefflich lustig gemacht hatte. Aber hier: Livietta, das Mädchen vom Lande in der Hauptrolle, ist sympathisch, klug und geschickt. Ihr gelingt es, den gerissenen Gauner Tracollo dingfest zu machen. Dass sich beide schließlich verlieben und zueinanderfinden, ist die letzte, herrliche Pointe der kleinen Oper... Pergolesi verband in »Il Ciarlatano« hohe Kunst mit Spaß, Hintersinn und bester Unterhaltung. Die bezaubernde Produktion bringt dazu Elemente des Straßentheaters und der Commedia dell ́arte, und schon rückt die kleine Barockoper ganz nah zum heutigen Publikum!

Bei schlechtem Wetter wird die Aufführung ins Stadthaus verlegt.

Cupid & Psyche
Eine musikalische Liebesgeschichte mit Happy End | Emma Kirkby – Gesang | Hille Perl – Viola da Gamba | Gambenconsort
So, 18.09.2022 | 17:00 Uhr | Altes Rathaus

Im Jahr 170 nach Christus schreibt der Dichter Apuleius das angeblich schönste Märchen der Welt auf: »Amor & Psyche«, eine der ganz großen Liebesgeschichten der Antike – und sogar mit Happy End! Sie handelt von der Liebesbeziehung zwischen der sterblichen Königstochter Psyche und einem Gott – Amor, auch Cupido genannt. Es geht um die ganz großen Themen der Menschheit: Liebe und Eros, Himmel und Erde, die Vergänglichkeit des Lebens und wie man unsterblich wird. Noch dazu muss eine Heldin ihr Können beweisen, indem sie von den Toten zurückkommt.

Dieser uralte Mythos basiert auf noch viel älteren Märchen aus Europa und Asien und wird seit Jahrtausenden nach allen Regeln der Kunst weiterverarbeitet – in der Literatur, in der bildenden und der darstellenden Kunst und natürlich in der Musik. Auf den britischen Inseln beschäftigte sich nicht nur William Shakespeare mit dem Stoff, sondern auch die Komponisten um ihn herum: Thomas Ford, John Dowland, William Byrd, Alfonso Ferrabosco und Tobias Hume.

Zu zwei berufenen Expertinnen der Alten Musik, Emma Kirkby und Hille Perl, gesellen sich an diesem Konzertnachmittag Schülerinnen und Schüler im Gambenconsort – Vielfalt und Klangfarbenreichtum sind garantiert!

Klatsch, Klerus und Kloaken
Ein musikalisch-literarisches Panorama aus Italien um 1450 | Ensemble Semperviva
Mo, 19.09.2022 | 19:00 Uhr | Lutherhaus

Der Abend verbindet auf einzigartige Weise die Musik und die Literatur der italienischen Renaissance. Worte und Klänge finden in vielfältiger Art und Weise zueinander und zeichnen das facettenreiche Bild einer Epoche, die feinsinnig und wild, erfindungs- und kontrastreich war wie kaum eine andere. Die Musik beleuchtet Ort, Zeit und gesellschaftlichen Kontexte, die auch in den Texten im Vordergrund stehen. Volkstümliche geistliche Lobgesänge, komplizierte Ornamentik aus dem Codex Faenza, einem Musikmanuskript des 15. Jahrhunderts, rhythmisch vertrackt vertonte Liebeslyrik und einfache Volksmelodien ergänzen das Bild.

Die Texte stammen aus dem Buch »Welt der Renaissance« von Tobias Roth und reichen von den grandiosen Liebesgedichten Petrarcas bis zur erotischen Lyrik von Kardinälen und Staatsoberhäuptern, von Spekulationen über den Seeweg nach Osten bis zu Thesen über weiße Magie, über die Würde des Menschen und die Gleichwertigkeit von Mann und Frau. Auch Einblicke in das Alltagsleben eines Kaufmanns, in die Heiratspläne einer Mutter oder in das Festmahl zur Inauguration eines Papstes sind im Band enthalten.

In der Musikauswahl werden Ort und Zeitpunkt der Entstehung der Texte so genau berücksichtigt, dass man sicher sein kann, dass der Autor genau diese Musik auch bereits kannte. Zusammen mit den allzu menschlichen, zeitlosen Problemen und Nöten, wie sie sich in den Texten wiederfinden, taucht das Publikum ein in das Italien der Renaissance.

Von bösen Teufeln, vornehmen Herrschern und frechen Dieben
Philipp Melanchthon als Geschichtenerzähler | Musikalische Lesung mit Dr. Stefan Rhein | Thomas Höhne - Laute
Di, 20.09.2022 | 19:00 Uhr | Melanchthongarten

Keine Vorlesung, keine Rede ohne Anekdoten: Philipp Melanchthon hatte einen großen Schatz an Geschichten parat, die er gern einstreute. Für seine Studenten war er ein faszinierender Lehrer, in allen Disziplinen bewandert, präzis in seiner Argumentation und enzyklopädisch gebildet. Gleichzeitig fesselte er seine Zuhörer mit einer Fülle von Erzählungen aus Geschichte und Literatur. Oft trug er auch Selbsterlebtes vor, wenn er etwa von Albrecht Dürer oder von Johannes Reuchlin berichtete.

Melanchthon hatte eine Vorliebe für Schauergeschichten, in denen oft der Teufel sein Unwesen trieb. Zahlreiche Studenten schrieben alle diese Erzählungen und Anekdoten auf, um sie später selbst einmal in ihren Predigten und Vorträgen verwenden zu können. Melanchthon, der große Geschichtenerzähler, steht im Mittelpunkt dieser musikalischen Lesung.

Bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung im Lutherhaus statt.

 

Tausendundein Klang
Musik aus dem Nahen und Mittleren Osten | Duo do-nawā & Niloofar Bijanzadeh – Rezitation
Do, 22.09.2022 | 19:00 Uhr | Klosterkirche

Die Saiteninstrumente, die seit Jahrhunderten in Europa gespielt werden, haben ihre Wurzeln
im Nahen Osten. Durch Migrationsbewegungen wurden sie hierzulande bekannt und
weiterentwickelt. Zu den ältesten unter ihnen gehören Zupfinstrumente wie die Rubab, eine
Schalenhalslaute, die als Nationalinstrument von Afghanistan gilt. Auch die Oud und die
Kopuz als Varianten der Kurzhalslaute sowie die Çeng, eine türkische Harfe, zählen zu den
ältesten Musikinstrumenten und wurden zu den verschiedensten Anlässen menschlichen
Zusammenseins angestimmt – meist begleitet von Gedichts- und Geschichtsrezitationen. Und
das klang dann wie genau? Welche Musik zur Zeit der Renaissance im Nahen und Mittleren
Osten gespielt wurde, verrät dieser stimmungsvolle Abend mit dem Duo do-nawā: Bei einem
Streifzug durch die traditionelle Musik aus dem heutigen Iran, aus der Türkei und aus
Afghanistan begegnen sich die Klangwelten aus den sefardischen, kurdischen und
zentralasiatischen Musikkulturen. Improvisationen in traditionellen Musizierstilen und
Liebes-, Schlaf-, Tanz- und Trinklieder werden ergänzt durch uralte Mythen und Texte der
persischen Dichter Rumi und Hāfez, in der Originalsprache und in Deutsch rezitiert von der
Schauspielerin Niloofar Bijanzadeh.

Die Schön Magelona
Eine fast lustige Historie aus der europäischen Renaissance | Ensemble Saitenweisen | Corinna Harfouch – Lesung
Fr, 23.09.2022 | 19:00 Uhr | Altes Rathaus

Der Magelona-Stoff ist orientalischen Ursprungs, man kennt ihn auch aus dem Umkreis der Erzählungen aus 1001 Nacht: Die Geschichte handelt von der schönen neapolitanischen Königstochter Magelona und ihrem Herzliebsten, dem Grafen Peter von Provence. Da Magelona einem anderen versprochen ist, fliehen die Liebenden vom Hof. Doch Peter gerät in türkische Gefangenschaft und findet erst nach jahrelanger Irrfahrt zurück zu Magelona, die inzwischen ein Armenspital gegründet hat... Dank der Übersetzung, die Veit Warbeck im 16. Jahrhundert dem späteren Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen widmete, gehört die Erzählung »Die Schön Magelona« heute zu den bekanntesten frühneuzeitlichen Volksbüchern.

Kein Wunder, dass sich auf dem ersten Höhepunkt seiner Popularität auch die Komponisten der europäischen Renaissance für den »Bestseller« interessierten – ob in Frankreich, Spanien oder Italien, ob Diego Ortiz, Filippo Azziolo, Heinrich Isaak, Josquin Deprez, Philippe Verdelot, Bartolomeo Tromboncino oder Ludwig Senfl: Die hochkarätig besetzte Collage mit der wunderbaren Corinna Harfouch zählt zweifellos zu den Höhepunkten im diesjährigen Festivalgeschehen!

Mitwirkende
Corinna Harfouch | Lesung
Julla von Landsberg | Sopran
Elisabeth Seitz | Salterio, Johanna Seitz | Harfe
Stephan Rath, Stefan Maass | Laute

Historischer Tanzball
Ein Tanzvergnügen mit The Playfords
Sa, 24.09.2022 | 20:00 Uhr | Altes Rathaus

Der historische Tanzball ist seit vielen Jahren fester Bestandteil im Programm des Wittenberger Renaissance Musikfestivals und bei allen auswärtigen und einheimischen Gästen äußerst beliebt. Zwei Tanzmeister führen mit Charme und Ideen durch das Tanzvergnügen: Mareike Greb und Mark Frenzel leiten vier gemeinsame Tanzrunden an – mit alten englischen Country Dances auch, aber nicht nur aus dem Hause Playford.

Unerlässlich am Wittenberger Ballabend ist die authentische Live-Musik, gespielt von Experten für historische Tanzmusik: The Playfords geben sich die Ehre! Fantasievolle Gewänder und Vorkenntnisse im historischen Tanz sind wie immer erfreulich, aber nicht Bedingung. Wer sein Debüt auf dem Tanzparkett längst hinter sich hat, wird sich über seine Lieblingstänze freuen und Gleichgesinnte treffen. Ebenso willkommen sind alle Gäste, die eine rauschende Ballnacht mit historischen Tänzen zum ersten Mal erleben. Sie sollten die Tanzschritte des Abends tagsüber in den Kursen studieren, um sich anschließend perfekt vorbereitet ins Vergnügen zu stürzen.

Das Tanzprogramm mit den Choreografien wird etwa vier Wochen vor dem Ball auf der Seite www.schlossdantz.net veröffentlicht.

Pentameron
Legenden, Magie und Liebe in der Musik zur Zeit der »Geschichte der Geschichten« | Ensemble Oni Wytars
So, 25.09.2022 | 17:00 Uhr | Schlosskirche

 

1634 erschien in Neapel die zweifellos bedeutendste Sammlung von Geschichten und Volkslegenden aller Zeiten: der »Pentamerone« – ein »Fünftagewerk« – oder auch »Lo cunto de li cunti« von Giambattista Basile, »Die Erzählung der Erzählungen«. Aufgeteilt in fünf musikalische Abschnitte wird die »Geschichte der Geschichten« in Form der ursprünglichsten und zugleich kunstvollsten Blüten überreicht, die die Musikkultur Süditaliens hervorgebracht hat. Musik, die »erzählt« im besten Sinne: vom traditionellen Gesang zur Trommel bis zur reichlich ausgeschmückten Villanella, von der Tarantella der Straßen und Gassen Neapels zur höfischen Tanzmusik. Die Titel stammen aus der Feder von Komponisten der bekanntesten Villanellen wie Costanzo Festa, Baldassare Donato, Giovanni Domenico da Nola und Johann Hieronymus Kapsberger. Sie alle haben es auf meisterhafte Art verstanden, diese Melodien, die von einer bezaubernden Einfachheit waren und nicht mit den Regeln der damals üblichen Kunstmusik »kompatibel« sein wollten, zu dem zu machen, was später als »la Canzone Napolitana« ganz Europa erobern sollte. Das Publikum wird hineingezogen in einen Schatz aus Geschichten und Liedern über tragische Figuren, die davon träumen, aus der Armut zu Reichtum zu kommen, von der Hässlichkeit zur Schönheit, von der Einsamkeit zur Liebe.

Von Herz zu Herz
Chansons und Überraschungen aus dem 15. Jahrhundert | Trio Petrucci
Fr, 28.10.2022 | 19:00 Uhr | Lutherhaus

Venedig wird im Jahr 1501 Schauplatz eines revolutionären und zugleich retrospektiven Aktes: Einige Jahrzehnte nach der Erfindung des Buchdrucks gelingt es Ottaviano Petrucci, ein Verfahren für den Druck mehrstimmiger Musik zu entwickeln. Er gibt die erste gedruckte Musiksammlung heraus: Die »Harmonice Musices Odhecaton«, bestehend aus 100 polyphonen Titeln – drei- und vierstimmige Stücke, darunter die beliebtesten Lieder aus ganz Europa, quasi die Hits der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Auch kompositionstechnisch wählte Petrucci dem Zeitgeist entsprechende Musik aus: Um 1500 war es schick, auf bekannten Liedern basierend zahlreiche – bisweilen bis zu 50! –Versionen desselben Stücks zu komponieren oder zu improvisieren. In der Kombination aus Stimme, Blockflöten und Renaissancegambe präsentiert das Trio Petrucci die Rafinesse, die Komplexität und den Witz dieses Repertoires und bindet auch eigene Versionen und instrumentale Tänze in das Programm ein. In der Musik von damals und heute sind Liebe und Sehnsucht zentrale Themen. Kein Wunder, dass sich schon Komponisten wie Hayne van Ghizeghem, Gilles Binchois, Alexander Agricola, Loyset Compère von den entsprechenden Versen angezogen fühlten! Ihre Vertonungen lassen das Publikum glatt vergessen, dass seit der Entstehung dieser Musik mehr als 500 Jahre vergangen sind…

Konzeption und Recherche für dieses Programm wurden durch ein Stipendium des Senators für Kultur der Freien Hansestadt Bremen ermöglicht.

Verleih uns Frieden gnädiglich
Festkonzert zum 350. Todestag von Heinrich Schütz | Wittenberger Hofkapelle
Sa, 29.10.2022 | 19:00 Uhr | Schlosskirche

Die Musikwelt feiert einen ihrer Größten – und das 17. Wittenberger Renaissance Musikfestival feiert mit! Vor fast 350 Jahren, am 6. November 1672, starb im hohen Alter von 87 Jahren in Dresden der »Vater der deutschen Musik«: Heinrich Schütz. Er war einer der berühmtesten Komponisten seiner Zeit, und nachdem er fast 200 Jahre lang vergessen worden war, weiß man heute um seine wahre Bedeutung. Denn Schütz war maßgeblich an der Weiterentwicklung sowohl der Vokal- als auch der Instrumentalmusik beteiligt, im geistlichen und im weltlichen Bereich. Anders gesagt: Ohne ihn wäre die Musik heute anders, als sie ist.

Seine besten Jahre waren vom Dreißigjährigen Krieg geprägt – um nicht zu sagen, gezeichnet. Dies spiegelt sich auch in den »Kleinen geistlichen Konzerten« wider, die Schütz 1636 und 1639 in zwei Teilen herausgab. Sie gehören nicht nur zu seinen bekanntesten und beliebtesten Kompositionen, sondern auch zu seinen progressivsten. Lauter Kunstgriffe, verdichtet auf eine Minimalbesetzung, eindringliche Botschaften und höchste musikalische Meisterschaft in einfachster Gestalt: Die »Kleinen geistlichen Konzerte«, die im Mittelpunkt dieses Festkonzerts stehen, vereinen stilistisch vielfältige Vokalmusik in meist deutschen, teils auch lateinischen Texten und ein großes Spektrum an musikalischen Formen. Dank ihrer variablen Klein- und Kleinstbesetzungen konnten sie sogar in Kriegszeiten aufgeführt werden. Und das wurden sie, denn Schütz hatte den Nerv seiner Zeit getroffen: am Hof, in der Stadt und im Dorf, in der Schule und im privaten Rahmen.

Die Wittenberger Hofkapelle widmet sich seinem Werk mit zwei Sopranen, Gamben, Lauten und Orgel und kombiniert es mit Instrumentalmusik italienischer Zeitgenossen, darunter Tomaso Cecchino und Andrea Falconieri.

Ballgeflüster mit Barbara Cranach und Katharina von Bora
Die Nacht davor | Wittenberger Hofkapelle | Silke Wallstein & Barbara Fressner – Schauspiel
So, 30.10.2022 | 20:00 Uhr | Lutherhaus

Wittenberg, 1524: Die entlaufene Nonne Katharina von Bora muss endlich unter die Haube und an den Mann gebracht werden, da sie seit ihrer Flucht aus Grimma den Cranachs auf der Tasche liegt. Von einem Fest des Fürsten verspricht sich Barbara, die Gattin des Malermeisters, viel! Aber wie soll das Mädchen sich schmücken? Was darf sie tragen und sagen? Welche Tänze muss sie beherrschen, um wünschenswerte Kandidaten für sich einzunehmen? Und was ist mit Luther, der sie mit seinen Thesen aus dem Kloster buchstäblich herausgeschrieben hat – und der für sich selbst nun partout keine Heirat will? Zwischen den Frauen entspinnt sich ein nachdenklich-heiteres Spiel, das von der Musik der Zeit grundiert wird. Ein vertrauliches Geplänkel vor dem Hintergrund künftiger Weltgeschichte, dargeboten von professionellen Schauspielerinnen: Barbara Fressner als Katharina von Bora und Silke Wallstein als Barbara Cranach treten gemeinsam mit Musikerinnen und Musikern der Wittenberger Hofkapelle in Aktion!

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