John Dowland gehört zu den bedeutendsten Komponisten der Spätrenaissance – ein Lautenist mit außerordentlich umfangreichem Œuvre! Sein Vermächtnis, das sich über zahlreiche Handschriften in ganz Europa verstreute, und die von seinem Sohn Robert Dowland 1610 herausgegebene Sammlung »A Variety of Lute Lessons« trieben zu Dowlands Lebzeiten das Instrument selbst ebenso wie die Spielenden an ihre Grenzen. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
2026 feiert die Musikwelt John Dowland anlässlich seines 400. Todestages – und das Wittenberger Renaissance Festival zeigt, wie unsterblich Dowlands Melodien sind, die wir noch heute im Ohr haben. Dazu wurde der israelische Musiker Orí Harmelin eingeladen. Lautenist wie dereinst John Dowland, präsentiert Harmelin in seinem Soloprogramm »Die Melodie des Atems« einen Querschnitt virtuoser Instrumentalformen, die im 16. Jahrhundert entstanden. Dabei erklingen Kompositionen für verschiedene adelige Gönner, unter anderem für König Christian IV. von Dänemark, der acht Jahre lang Dowlands Arbeitgeber war und seinen Diener sehr geschätzt haben muss, wofür nicht zuletzt eine ungewöhnlich gute Bezahlung spricht. Über Arrangements von mehrstimmigen Madrigalen – das in Musik gesetzte weltliche Gedicht war eines der beliebtesten Genres des Renaissance-Gesangs – spannt Orí Harmelin den Bogen zur freiesten Instrumentalform des 16. Jahrhunderts zu: dem Ricercar, einer Form des »Suchens« mit freiem, improvisationsartigen Charakter, die die polyfonen Möglichkeiten der Laute auslotet und Raum für extravagante instrumentale Virtuosenpassagen bietet.
Der Lautenist Orí Harmelin ist in Haifa, Israel geboren. Die Faszination für Alte Musik führte ihn zum Studium an die Staatliche Hochschule für Musik Trossingen, wo er bei Rolf Lislevand sein Lautenstudium und bei Kees Boeke ein Masterstudium für Musik des Mittelalters und frühe Renaissance abschloss. Ein weiteres Studium für historische Aufführungspraxis und verschiedene Lauteninstrumente absolvierte Harmelin bei Eduardo Egüez an der Zürcher Hochschule der Künste.
Der Musiker ist Hauslautenist des kanadischen Vokalensembles Profeti della Quinta und des auf Alte Musik spezialisierten Schweizer Vokalensembles Voces Suaves. Mit dem Sollazzo Ensemble arbeitet er seit 2023 regelmäßig zusammen. Harmelins erstes Soloalbum, »Neshima«, erschien 2022 bei Passacaille Records. Zusätzlich zu seiner Leidenschaft für Musik wirkt er als Therapeut und moderiert den Podcast »The curious Case of Freedom«. Harmelin lebt in Basel in der Schweiz.
