Melancholie & Milonga
John Dowland zu Besuch bei Astor Piazzolla | Wittenberger Hofkapelle
So, 20.09.2026 - 17:00 Uhr
| Klosterkirche

Angenommen, Astor Piazzolla sitzt beim Kaffee und sinniert über die Geschichte des Tangos – »L’Histoire du Tango«. Tatsächlich heißt einer der bekanntesten Zyklen des Tango-Altmeisters genau so! Entstanden ist er in den 1960er-Jahren und im Original für Flöte und Gitarre komponiert. In »Die Geschichte des Tangos« erzählt Piazzolla, wie sich der Tango ab 1900 über drei Generationen entwickelte. Das zweite der vier Stücke sollte eines seiner bekanntesten werden: »Café 1930«. Piazzolla beschreibt darin »…eine neue Epoche des Tango. Jetzt tanzt man ihn nicht mehr wie 1900; man beschränkt sich darauf, ihn anzuhören. Der Tango wird musikalischer, ja auch romantischer. Er verändert sich auf radikale Weise: die Bewegungen werden langsamer, neue Harmonien kommen hinzu, und das Ganze bekommt einen stark melancholischen Zug.« Ein stark melancholischer Zug bringt nun John Dowland ins Spiel – seine klaren, zu Herzen gehenden Weisen. Was sich nun zwischen den beiden Kaffeeliebhabern entspinnt, identifizieren Tangokenner sogleich als Milonga: ein Treffen, bei dem zu verschiedenen Tangostilen zwanglos getanzt wird.

Unversehens werden John Dowland und Astor Piazzolla selbst zu Milongueros – und stellen mit großem Erstaunen fest, wie virtuos und anspruchsvoll ist, was so leicht klingt, wie gut sich die elegischen Melodien des Älteren im Tangostil zurechtfinden, und wie berührend sie in einer solchen konzertanten Milongo wirken – ruhig und fröhlich. Und als sich die Weisen aus dem 16. Jahrhundert mit dem wiegenden Tanzmodus  der jüngeren Zeit verbinden, erkennen die Meister: Sehnsucht und Heimweh, Mut und Leidenschaften sind ein intensives Band, über alle Zeiten hinweg.

Ticket 25 Euro/ermäßigt 22 Euro
Wittenberger Hofkapelle

Der Lautenist Thomas Höhne und die Gambistin Gesine Friedrich gründeten das Ensemble 2002 mit dem Ziel, die Musiktraditionen des 15. bis 17. Jahrhunderts zu pflegen. Ganz dem Bestreben verpflichtet, das Repertoire der Wittenberger Hofkapelle des sächsischen Kurfürsten Friedrich des Weisen wiederzubeleben, greifen die Musikerinnen und Musiker auf die handschriftlich fixierten Notationen der einstigen Wittenberger Hofkapelle zurück, die in der Thüringer Landes- und Universitätsbibliothek aufbewahrt werden. Diese Noten geben einen detaillierten Einblick in die vorreformatorische Musik bis zur Wirkungszeit Martin Luthers. Auch die Wittenberger Drucke und musiktheoretische Abhandlungen von Martin Agricola und Hermann Finck dienen dem Ensemble bei der Annäherung an einen möglichst authentischen Klang. Darüber hinaus führt die Hofkapelle, die sich seit ihrer Gründung als wandelbarer und flexibler Klangkörper behauptet, auch Werke frühbarocker Meister wie Heinrich Schütz und Claudio Monteverdi auf und tritt mit szenischen Projekten in Erscheinung. In seinen Programmen verbindet das Ensemble die Renaissancemusik der mit zeitgenössischen Musikstilen wie Pop, Jazz und Filmmusik und ergänzt  sie mit Musik aus der spanischen Renaissance und mit Flamenco. Irische Musik und Kompositionen aus der Zeit um 1800 ergänzen das Portfolio. Die Wittenberger Hofkapelle musiziert ausschließlich auf historischen Instrumenten und widmet sich seit ihrer Gründung mit großem Engagement der musikalischen Ausbildung von Kindern und Jugendlichen.

Zum 500. Reformationsjubiläum 2017 erschien die CD »Ein feste Burg ist unser Gott« mit geistlichen Liedern der Reformationszeit. 

Seit 2006 richtet die Wittenberger Hofkapelle das jährliche Wittenberger Renaissance Musikfestival aus.

Julla von Landsberg

Die aus Bayern stammende Sopranistin Julla von Landsberg studierte zunächst am Richard-Strauss-Konservatorium München. Später bildete sie sich am Institut für Alte Musik an der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen fort, wo sie 2004 mit Studienkollegen das Ensemble Santenay für Musik des Mittelalters gründete. Ihre Studien schloss Julla von Landsberg 2009 an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig ab.

Julla von Landsbergs Repertoire erstreckt sich von früher Monodie bis hin zu zeitgenössischer Improvisation. Ihr besonderes Interesse gilt der Alten Musik, der Musik des Mittelalters, der Renaissance und des Barock und dem frühen klassischen Liedgut. Liederabende, Kammerkonzerte, Oratorien- und Opernengagements führten sie durch ganz Europa. Als Performerin im zeitgenössischen Musiktheater stand sie über viele Jahre mit Nico and the Navigators auf der Bühne. Ihre am meisten inspirierenden Momente findet Julla von Landsberg in der Interpretation vergessener und selten gehörter Musik, etwa aus der Barockzeit und – mit ihrem Ensemble Santenay – aus der bizarr-sinnlichen Welt des Mittelalters.

»Mich fasziniert die emotionale Kraft von Musik. Sie bewegt direkt, auch ohne Worte, jedes Herz, und es ist mir das schönste Geschenk, Musik mitzugestalten. In einer Situation von großer Offenheit und Spontaneität teilen Publikum und Musizierende eine gemeinsame, ungreifbare und nur im Moment erlebbare Erfahrung«, sagt die Sängerin.

Die Musikerin und Pferdewirtin lebt in der Nähe von Torgau in Sachsen und betreibt mit ihrem Lebenspartner einen Bauernhof mit vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen.

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