Misterioso
Biber trifft Piazzolla | Eröffnungskonzert | lautten compagney BERLIN
Fr, 18.09.2026 - 19:00 Uhr
| Stadthaus

Heinrich Ignaz Franz von Biber, einer der großen Violinmeister des 17. Jahrhunderts, erzählt in seinen 15 Sonaten die »Heiligen Mysterien« des Rosenkranzes in hochvirtuosen musikalischen Bildern. Die Sinnlichkeit und Ästhetik des Barock geht von der Verzückung durch den Glauben aus, der Verbindung zwischen Gott und Mensch, die damals noch stark mit der körperlichen Sinnlichkeit verbunden war – und dies ist die Parallele zum Tango, der ebenfalls eine fast religiöse Ernsthaftigkeit besitzt und die körperliche Sinnlichkeit zwischen Mann und Frau zelebriert. In den Mysteriensonaten erlebt man hörbar einen Akt der Liebe durch den Heiligen Geist, im Tango Nuevo Astor Piazzollas hört man die Herzen klopfen und das Blut rauschen.

Beide Kompositionsstile erwecken Gefühle, die durch die Musik in Klänge verwandelt werden. So viele hundert Jahre liegen zwischen ihnen, und doch sind die Gefühle der Menschen die gleichen geblieben. Mit dem Instrumentarium der Barockzeit wird der Tango noch menschlicher und lebendiger. Schon bald verfließen die Grenzen – und schließlich ist es ganz egal, in welchem Stil und in welcher Zeit man sich gerade befindet.

Ticket 25 Euro/ermäßigt 22 Euro
lautten compagney BERLIN

Die lautten compagney BERLIN gehört zu den renommiertesten und innovativsten Ensembles für Alte Musik in Deutschland und darüber hinaus. Ihr wegweisendes künstlerisches Profil wird im Oktober 2025 bereits zum zweiten Mal mit dem Opus Klassik als Ensemble des Jahres geehrt.

Gegründet wurde die lautten compagney von den Lautenisten Hans-Werner Apel und Wolfgang Katschner im Jahr 1984 in der DDR. Unter der künstlerischen Leitung Wolfgang Katschners hat sich das Ensemble mit seinem unverwechselbaren Klang, seiner stilistischen Vielseitigkeit und seiner außergewöhnlichen Programmatik einen internationalen Namen gemacht. Immer wieder bringt die lautten compagney neue Konzertformate auf die Bühne und arbeitet dabei mit namhaften Partnerinstitutionen und Künstlerinnen und Künstlern zusammen. Einen großen Erfolg feierte sie mit Monteverdis »L’Orfeo« an der Semperoper Dresden mit Rolando Villazón in der Titelrolle – ein Projekt, das den Beginn einer bis heute produktiven Zusammenarbeit mit dem Startenor markiert. Von der interdisziplinären Offenheit des Ensembles zeugen zahlreiche Wort-Musik-Programme, häufig in Zusammenarbeit mit prominenten Persönlichkeiten aus Film und Fernsehen – darunter Corinna Harfouch, Eva Mattes und Sophie Rois. 

Neben Konzertprojekten und musikalisch-literarischen Programmen realisiert die lautten compagney regelmäßig eigene Opernproduktionen. Vielschichtige Zugänge zur Barockoper findet das Ensemble sowohl in historischer Aufführungspraxis als auch in der zeitgenössischen Theaterästhetik – so etwa bei der jüngsten Premiere von Reinhard Keisers »Octavia« im Rahmen der Händel-Festspiele Halle, mit denen die lautten compagney eine langjährige Zusammenarbeit verbindet. Auch Programme mit Tanz, Schauspiel und Performance schaffen experimentelle Räume jenseits klassischer Konzertformen. 

Die lautten compagney gastiert regelmäßig bei führenden Festivals und spielt jährlich rund 100 Konzerte in Deutschland, Europa und weltweit. Große Auslandstourneen führten das Ensemble unter anderem nach China, Kolumbien und in die Mongolei. Gleichzeitig ist es fest in der Berliner Kulturszene verankert – mit Partnern wie dem Humboldt Forum, der Staatsbibliothek Unter den Linden, der Neuköllner Oper und zahlreichen Chören der Stadt. Neben eigenen Auftritten engagiert sich das Ensemble in den letzten Jahren zudem vermehrt in der Nachwuchsförderung und Musikvermittlung. Die lautten compagney ist Mitbegründerin und Ensemble in Residence der Aequinox-Musiktage in Neuruppin und des Musik- und Literaturfestivals Kalit in der Uckermark und veranstaltet regelmäßig eigene Festivals in ihrer Heimatstadt Berlin. 

Das Ensemble bewegt sich souverän zwischen historischer Aufführungspraxis und zeitgenössischen Formaten und ist bekannt für seine genreübergreifenden Projekte, in denen es Brücken zwischen Musik verschiedener Jahrhunderte schlägt. Dabei folgt die lautten compagney stets dem Anspruch, Alte Musik in die Gegenwart zu holen und für ein breites Publikum neu erlebbar zu machen. Im Zentrum des Aufführungsrepertoires stehen Werke des 17. und 18. Jahrhunderts – von Claudio Monteverdi, Henry Purcell und Georg Friedrich Händel bis zu Johann Sebastian Bach. Gleichzeitig widmet sich das Ensemble mit großer Neugier dem Unbekannten: Es bringt vergessene Werke wieder ans Licht, entdeckt neue Kontexte und entwickelt daraus ungewöhnliche Formate.

Die Diskografie der lautten compagney umfasst mehr als 60 Einspielungen und spiegelt die stilistische Bandbreite sowie die Experimentierfreude des Ensembles wider. Für ihre CD »Timeless« wurde sie 2010 mit dem Echo Klassik ausgezeichnet. Den Opus Klassik als Ensemble des Jahres erhielt sie 2019 für die Einspielung »War and Peace – 1618:1918« und 2025 für »Dancing Queen«. Eine weitere bedeutende Ehrung war die Auszeichnung mit dem Rheingau Musik Preis 2012, der die Verdienste der lautten compagney um das gegenwärtige Musikleben würdigte. Seit 2023 wird die lautten compagney im Programm »Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland« vom Kulturstaatsministerium des Bundes gefördert.

Mit mehr als 40 Jahren Erfahrung und ungebrochener Spielfreude ist die lautten compagney BERLIN eine lebendige Stimme der Alten Musik – traditionsbewusst und experimentierfreudig zugleich. Ihr Schaffen steht für eine musikalische Erzählkunst, die Vergangenheit und Gegenwart in spannungsvolle Dialoge bringt.

lauttencompagney.de 

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