Auch beim 21. Wittenberger Renaissance Musikfestival darf das Chortreffen nicht fehlen! Nach den überwältigenden Erfolgen dieses Gemeinsinn stiftenden neuen Formats treffen sich auch dieses Jahr wieder Hunderte Sängerinnen und Sänger beim Sängerfest in der Schlosskirche. Eingeladen sind wiederum alle Chöre der Lutherstadt, die mit ihrer Sangesfreude und ihren musikalischen Beiträgen unter der Überschrift »Geh aus, mein Herz« dabei sein wollen. Das Programm rund um das Festivalthema »Renaissance küsst Tango« ist frei wählbar, sollte aber nach Möglichkeit eine Brücke zwischen den Musikstilen der Renaissance und der Gegenwart schlagen. Melodien des Jubilars John Dowland – die Musikwelt würdigt in diesem Jahr seinen 400. Todestag – dürfen gern vorkommen. Und: Am 27. Mai 1676 starb Paul Gerhardt, der bedeutendste Kirchenlieddichter nach Martin Luther. Etliche seiner Texte, vertont beispielsweise von Johann Crüger, Johann Ebeling und Johann Sebastian Bach, finden sich im Evangelischen Gesangbuch. Auch im musikalischen Gedächtnis der Glaubenden gehören Lieder wie »Ich steh an deiner Krippen hier«, »Du meine Seele, singe« und »Die güldne Sonne« fest eingeschrieben. Die sprachliche Schönheit, Schlichtheit und Natürlichkeit seiner Dichtungen haben den Liederdichter Paul Gerhardt und sein Gottvertrauen unsterblich gemacht – und wo ließ sich seiner anlässlich des 350. Todestages besser gedenken als Wittenberg, wo er Theologie studierte und fast 14 Jahre lebte?
Ob Schul- oder Kirchenchor, Frauen- oder Männerensemble: Bei »Wittenberg singt« sind alle willkommen. Bereits zugesagt haben die Wittenberger Kantorei, die die Sängerinnen und Sänger der Stadtkirchengemeinde vereint, die Schola Cantorum Adam Rener, der liturgische Kammerchor der Schlosskirche, ebenso der Gospelchor der Schlosskirche, das Vokalensemble Torgau und der Volkschor Reinsdorf sowie – Luxus pur! – die lautten compagney BERLIN, deren Musikerinnen und Musiker die Chöre auch in diesem Jahr gemeinsam mit der Wittenberger Hofkapelle begleiten.
In den Nachmittagsproben werden ein gemeinsames Eröffnungs- und ein Finalstück vorbereitet. Und wenn dann im festlichen Abendkonzert ganz »Wittenberg singt«, die teilnehmenden Chöre ihre stilistische Vielfalt zwischen Renaissance- und Kirchenlied, lateinamerikanischem Temperament, Gospel und Pop präsentieren, ist die Freude am gemeinsamen Musizieren gleich doppelt so groß! Christian Tylsch, der Landrat des Landeskreises Wittenberg, wird als neuer Schirmherr des zweiteiligen Chortreffens das Festivalfinale erstmals begleiten. Durch das Programm führt Festivalintendant Thomas Höhne, der sich auf zahlreiche Sangeslustige freut:
Interessiert? Anmeldungen sind per E-Mail bis 31. August 2026 möglich.
Der Lautenist Thomas Höhne und die Gambistin Gesine Friedrich gründeten das Ensemble 2002 mit dem Ziel, die Musiktraditionen des 15. bis 17. Jahrhunderts zu pflegen. Ganz dem Bestreben verpflichtet, das Repertoire der Wittenberger Hofkapelle des sächsischen Kurfürsten Friedrich des Weisen wiederzubeleben, greifen die Musikerinnen und Musiker auf die handschriftlich fixierten Notationen der einstigen Wittenberger Hofkapelle zurück, die in der Thüringer Landes- und Universitätsbibliothek aufbewahrt werden. Diese Noten geben einen detaillierten Einblick in die vorreformatorische Musik bis zur Wirkungszeit Martin Luthers. Auch die Wittenberger Drucke und musiktheoretische Abhandlungen von Martin Agricola und Hermann Finck dienen dem Ensemble bei der Annäherung an einen möglichst authentischen Klang. Darüber hinaus führt die Hofkapelle, die sich seit ihrer Gründung als wandelbarer und flexibler Klangkörper behauptet, auch Werke frühbarocker Meister wie Heinrich Schütz und Claudio Monteverdi auf und tritt mit szenischen Projekten in Erscheinung. In seinen Programmen verbindet das Ensemble die Renaissancemusik der mit zeitgenössischen Musikstilen wie Pop, Jazz und Filmmusik und ergänzt sie mit Musik aus der spanischen Renaissance und mit Flamenco. Irische Musik und Kompositionen aus der Zeit um 1800 ergänzen das Portfolio. Die Wittenberger Hofkapelle musiziert ausschließlich auf historischen Instrumenten und widmet sich seit ihrer Gründung mit großem Engagement der musikalischen Ausbildung von Kindern und Jugendlichen.
Zum 500. Reformationsjubiläum 2017 erschien die CD »Ein feste Burg ist unser Gott« mit geistlichen Liedern der Reformationszeit.
Seit 2006 richtet die Wittenberger Hofkapelle das jährliche Wittenberger Renaissance Musikfestival aus.
Die lautten compagney BERLIN gehört zu den renommiertesten und innovativsten Ensembles für Alte Musik in Deutschland und darüber hinaus. Ihr wegweisendes künstlerisches Profil wird im Oktober 2025 bereits zum zweiten Mal mit dem Opus Klassik als Ensemble des Jahres geehrt.
Gegründet wurde die lautten compagney von den Lautenisten Hans-Werner Apel und Wolfgang Katschner im Jahr 1984 in der DDR. Unter der künstlerischen Leitung Wolfgang Katschners hat sich das Ensemble mit seinem unverwechselbaren Klang, seiner stilistischen Vielseitigkeit und seiner außergewöhnlichen Programmatik einen internationalen Namen gemacht. Immer wieder bringt die lautten compagney neue Konzertformate auf die Bühne und arbeitet dabei mit namhaften Partnerinstitutionen und Künstlerinnen und Künstlern zusammen. Einen großen Erfolg feierte sie mit Monteverdis »L’Orfeo« an der Semperoper Dresden mit Rolando Villazón in der Titelrolle – ein Projekt, das den Beginn einer bis heute produktiven Zusammenarbeit mit dem Startenor markiert. Von der interdisziplinären Offenheit des Ensembles zeugen zahlreiche Wort-Musik-Programme, häufig in Zusammenarbeit mit prominenten Persönlichkeiten aus Film und Fernsehen – darunter Corinna Harfouch, Eva Mattes und Sophie Rois.
Neben Konzertprojekten und musikalisch-literarischen Programmen realisiert die lautten compagney regelmäßig eigene Opernproduktionen. Vielschichtige Zugänge zur Barockoper findet das Ensemble sowohl in historischer Aufführungspraxis als auch in der zeitgenössischen Theaterästhetik – so etwa bei der jüngsten Premiere von Reinhard Keisers »Octavia« im Rahmen der Händel-Festspiele Halle, mit denen die lautten compagney eine langjährige Zusammenarbeit verbindet. Auch Programme mit Tanz, Schauspiel und Performance schaffen experimentelle Räume jenseits klassischer Konzertformen.
Die lautten compagney gastiert regelmäßig bei führenden Festivals und spielt jährlich rund 100 Konzerte in Deutschland, Europa und weltweit. Große Auslandstourneen führten das Ensemble unter anderem nach China, Kolumbien und in die Mongolei. Gleichzeitig ist es fest in der Berliner Kulturszene verankert – mit Partnern wie dem Humboldt Forum, der Staatsbibliothek Unter den Linden, der Neuköllner Oper und zahlreichen Chören der Stadt. Neben eigenen Auftritten engagiert sich das Ensemble in den letzten Jahren zudem vermehrt in der Nachwuchsförderung und Musikvermittlung. Die lautten compagney ist Mitbegründerin und Ensemble in Residence der Aequinox-Musiktage in Neuruppin und des Musik- und Literaturfestivals Kalit in der Uckermark und veranstaltet regelmäßig eigene Festivals in ihrer Heimatstadt Berlin.
Das Ensemble bewegt sich souverän zwischen historischer Aufführungspraxis und zeitgenössischen Formaten und ist bekannt für seine genreübergreifenden Projekte, in denen es Brücken zwischen Musik verschiedener Jahrhunderte schlägt. Dabei folgt die lautten compagney stets dem Anspruch, Alte Musik in die Gegenwart zu holen und für ein breites Publikum neu erlebbar zu machen. Im Zentrum des Aufführungsrepertoires stehen Werke des 17. und 18. Jahrhunderts – von Claudio Monteverdi, Henry Purcell und Georg Friedrich Händel bis zu Johann Sebastian Bach. Gleichzeitig widmet sich das Ensemble mit großer Neugier dem Unbekannten: Es bringt vergessene Werke wieder ans Licht, entdeckt neue Kontexte und entwickelt daraus ungewöhnliche Formate.
Die Diskografie der lautten compagney umfasst mehr als 60 Einspielungen und spiegelt die stilistische Bandbreite sowie die Experimentierfreude des Ensembles wider. Für ihre CD »Timeless« wurde sie 2010 mit dem Echo Klassik ausgezeichnet. Den Opus Klassik als Ensemble des Jahres erhielt sie 2019 für die Einspielung »War and Peace – 1618:1918« und 2025 für »Dancing Queen«. Eine weitere bedeutende Ehrung war die Auszeichnung mit dem Rheingau Musik Preis 2012, der die Verdienste der lautten compagney um das gegenwärtige Musikleben würdigte. Seit 2023 wird die lautten compagney im Programm »Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland« vom Kulturstaatsministerium des Bundes gefördert.
Mit mehr als 40 Jahren Erfahrung und ungebrochener Spielfreude ist die lautten compagney BERLIN eine lebendige Stimme der Alten Musik – traditionsbewusst und experimentierfreudig zugleich. Ihr Schaffen steht für eine musikalische Erzählkunst, die Vergangenheit und Gegenwart in spannungsvolle Dialoge bringt.
Die Wittenberger Kantorei der Stadtkirchengemeinde blickt auf eine lange Tradition zurück: Schon vor der Reformation wurde ein »Cantor« bezahlt, der an der Lateinschule unterrichtete und mit seinem Schülerchor im Gottesdienst sang, an Festtagen mit zusätzlichen Sängern auch mehrstimmig. Heute musizieren rund 70 Sängerinnen und Sänger in der Wittenberger Kantorei. Unter der Leitung von Stadtkirchenkantor Christoph Hagemann führt der Chor unter anderem Werke von Komponisten auf, die in Wittenberg wirkten. Zum Repertoire gehören A-cappella-Kompositionen ebenso wie Messen und Vokalsymphonik.
Der liturgische Kammerchor der Schlosskirche verdankt seinen Namen dem Hofkapellmeister Adam Rener, der von 1507 bis vermutlich 1517 am kursächsischen Hof von Friedrich dem Weisen wirkte. Rener übernahm zunächst die Leitung der kursächsischen Hofkapelle und entwickelte den Hof zu einem bedeutenden Zentrum der Kirchenmusik. Als liturgischer Kammerchor gestaltet die Schola Cantorum Adam Rener überwiegend mit a-cappella-Repertoire aus verschiedenen Epochen die Evensongreihe in der Schlosskirche, ein musikalisches Abendgebet nach anglikanischer Form. Auch bei der Gestaltung von Kantaten- und weiteren Gottesdiensten ist die Schola Cantorum zu hören. Die Leitung hat Schlosskirchenkantor Thomas Herzer.
Mit seinen rund 60 Mitgliedern ist der Gospelchor das größte Ensemble an der Schlosskirche. Das Ensemble hat sich unter der Leitung von Schlosskirchenkantor Thomas Herzer auf traditionelle Gospels und Spirituals sowie auf neue Gospelmusik aus den USA spezialisiert. Zu den Höhepunkten in der bisherigen Tätigkeit zählen zwei Chorreisen in die USA mit zahlreichen Auftritten und Workshops. In Wittenberg und in der Region gestaltet der Chor Gottesdienste und Konzerte verschiedenster Art.
Sängerinnen und Sänger aus verschiedenen Berufsgruppen vereint der Volkschor Reinsdorf bereits seit mehr als 70 Jahren, organisiert sind die Sangeslustigen hier schon seit 1884. Gelegenheiten zum Singen findet der Chor bei Stadt- und Volksfesten, etwa beim Wittenberger Stadtfest »Luthers Hochzeit«. Auch die Auftritte in Alten- und Pflegeheimen und in den Kureinrichtungen Bad Schmiedebergs gehören längst zur Tradition. Beliebt und bestens besucht sind die Konzerte in Kirchen und anderen Einrichtungen der Region zu Weihnachten und weiteren Anlässen. Das Repertoire des Chores, der auch Mitglied im Sängerkreis Anhalt-Dessau ist, ist dank der Vielfalt seiner Auftritte weit gefächert. Gesang, Geselligkeit und freundschaftliches Miteinander sind für die Sängerinnen und Sänger ebenso wie für Chorleiter Jean François de Guise untrennbar miteinander verbunden.
Das Vokalensemble der Stadt Torgau, genannt VocaTo, wurde 2022 gegründet. Das Repertoire des gemischten Chores umfasst vor allem heitere weltliche Musik; die Freude am Singen steht dabei immer im Vordergrund. Der aus rund 20 Sängerinnen und Sängern bestehende Chor probt wöchentlich und bestreitet vielerlei Auftritte in der Stadt Torgau und im Umland. Regelmäßige Weihnachtskonzerte, das alljährliche Weihnachtssingen für den Torgauer Stadtrat, Auftritte wie zum Festakt anlässlich des 80. Jahrestages des »Elbe Day« und gemeinsame Konzerte mit dem Männerchor Torgau im Rathaus der Stadt gehören zum Programm. Das Ensemble VocaTo wird von Julla von Landsberg geleitet, für die Instrumentalbegleitung ist Thomas Höhne verantwortlich.





