Im Herzen der Lutherstadt, gleich neben der Stadtkirche St. Marien, befindet sich die Fronleichnamskapelle. 1368 vom Ratsherrn Konrad Wynmann gestiftet und erbaut, diente die Kapelle ab 1375 auch für Begräbnisfeiern, denn der Kirchplatz war ursprünglich ein Friedhof. Nach ihrer Zerstörung 1456 wurde sie wieder aufgebaut. Am 28. November 1518 forderte Martin Luther von hier aus den Papst auf, ein Konzil einzuberufen, das über seinen Ketzerprozess entscheiden sollte. Auch nach der Reformation war das Bauwerk bis 1772 Friedhofskapelle für den Friedhof um die Stadtkirche, in jüngerer Zeit eine sogenannte Kinderkirche. Heute wird die Fronleichnamskapelle vom Stadtkonvent Wittenberg der Communität Christusbruderschaft Selbitz genutzt.
Die Bezeichnung als Fronleichnamskapelle hat eine andere Bedeutung, als der Name zunächst suggeriert: »Fron« steht für »Herr«, »Lichnam« für »Leib«. Demnach war der Kirchenbau dazu bestimmt, den Leib des Herrn zu verehren, wie es beim Abendmahl üblich ist.
